Wohnen mit Zukunft

Was haben Philosoph Renè Descartes und Theologe Martin Luther gemeinsam?

Beide haben das lange Zeit vorherrschende Bild von der einen, zusammenhängenden Welt für falsch erklärt und begonnen, sie in Einzelteile zu zerlegen, zu teilen. Luther beendete die Einheit der Kirche, Descartes trennte in seiner Philosophie Körper und Geist. Für uns Menschen heute ist es normal, solch ein in Teile zerlegtes Weltbild zu haben. Wir denken in verschiedenen Wissenschaftsrichtungen, Musikgenres usw. Aber ist da auch richtig und gut so?

Rupert Reisinger stellte das bei seinem Vortrag am 27.3. im Rosa Raum in Frage. „Wohnen mit Zukunft – Stadt mit Plan“ begann mit einer Fragerunde: Wer wohnt zur Miete? Wer in der eigenen Wohnung? Wer im eigenen Haus? Auch hier sehen wir wieder die Zergliederung, die Teilung. Reisinger aber fragte weiter: Wie und wo kann ich beeinflussen, wie ich leben möchte?

Im Laufe seines Vortrags kam der Baubiologe immer wieder auf die Frage der Selbstwirksamkeit im unterteilten System zurück.

„In der Wohnung, auch zur Miete, habe ich die kleinste Selbstwirksamkeit. Aber: Ich kann mich für unbehandelte Möbel entscheiden, für eine schadstoffarme Wandfarbe und eine energiesparende Beleuchtung. Besitze ich eine Eigentumswohnung bin ich auch in der Wahl der Böden frei und kann moderne Heizkörper einbauen lassen. Am freiesten bin ich im eigenen Haus, da kann ich energetisch sinnvolle Fenster einsetzen und eine PV-Anlage montieren. Aber bin ich deshalb als Mieter oder Wohnungseigentümer machtlos?“

Das verneinte der Redner voller Überzeugung! Auch hier könne man, zusätzlich zu oben genannten Möglichkeiten viel bewirken. Durch Diskussionen mit dem Vermieter oder den Miteigentümern über die gesundheitlichen, klimaschonenden und finanziellen Maßnahmen zur Sanierung beispielsweise. Man könne aber auch über das eigene Zuhause hinaus wirksam sein. Gespräche mit Stadtratsmitgliedern, Anregungen an die Stadtverwaltung oder ein persönliches Engagement in einem Gremium oder einem Verein wie der Klimainitiative wären sinnvoll und führten zu einem besseren Selbswirksamkeitsgefühl sowie einer freundlicheren Lebensumwelt.

Dieses Fazit sowie zahlreiche nützliche Tipps für den Alltag gab Reisinger den 18 Zuhörer*Innen mit nach Hause.

Jede und jeder hat die Möglichkeit, für ein besseres Lebensumfeld zu sorgen, im Kleinen wie im Großen! Und jede und jeder soll Zusammenhänge denken und entsprechend handeln. Wir alle leben zusammen in einer gemeinsamen Welt!

Danke, Rupert, für deine motivierenden und überzeugenden Vortrag!


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