-Veränderung wird kommen, ob du sie magst oder nicht –
Mutig voraus ins Ungewisse – das war der Ausblick am Ende des Vortrags von Frau Dr. Wabnitz. Die Medizinerin hat Public Health studiert. Sie war wissenschaftliche Angestellte der Uni Augsburg und war viele Jahre in der Forschung der Allianz für Klimaforschung und Gesundheit (KLUG) tätig. KLUG hat beratende Funktion im Bereich Gesundheit/Gesundheitswesen der Bundesregierung.
Wir sind alle eingebunden und beeinflusst von unserer Umgebung und damit auch vom Zustand der Erde. Veränderungen auf unserem Planeten wirken sich mit Zeitverzögerung auf uns und unsere Gesundheit aus. Die Regulationssysteme der Erde (Ozeane, Luft, Boden, Natur etc.) schafften es im letzten Jahrhundert die globalen Veränderungen abzupuffern. In unserer Jetztzeit gelingt das nur noch eingeschränkt und die Regulationsfähigkeit droht unumkehrbar zu kippen (z.B. Erwärmung, CO²-Konzentration, Luftverschmutzung, Extremwetterereignisse , Gletscherschmelze, etc.).
Unter der Überschrift „Planetarer Notstand“ stellte Frau Wabnitz die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf unsere Gesundheit dar. In eindrücklichen Zahlen sind Übersterblichkeit durch Hitze, Extremwetterereignisse und zunehmende Herzkreislauferkrankungen (Hypertonie, Herzinfarkt, Schlaganfälle) belegt. Die Krankheitslast nimmt zu, es kommt zu einem Anstieg der Allergien (im Zusammenspiel von Pollen und Luftverschmutzung, längeren Blühzeiten, Einwanderung neuer Arten), zunehmende Atemwegserkrankungen (Asthma bronchiale, Ozonreizung), Hitze-Krankheiten (Ödeme, Krämpfe, Hitzschlag, Erschöpfung Depression, Aggressivität, ), Mangelernährung (Dürre, Überschwemmungen), Zunahme von Infektionskrankheiten wie Cholera, Malaria, TBC, Borreliose und vieles mehr.
Als bewiesen gilt, dass unsere Lebenserwartung zwar deutlich gestiegen ist, unsere gesunden Tage in unserer Lebensspanne jedoch unverändert geblieben sind. Unsere medizinische Vorsorge bezieht sich auf das rechtzeitige Erkennen von werdenden Krankheiten. Eine sinnvolle Prävention müsste nach den Erhebungen der KLUG jedoch in den auslösenden Ursachen ansetzen, wie z.B. Reduktion der klimatischen Belastungen (Hitze, Feinstaub, Überschwemmungen, CO²-Belastung etc.). Vergleichbar der notwendigen Reduktion von Zucker in Getränken zur Prävention von Übergewicht bei Kindern.
Als wichtige Risikofaktoren für Erkrankung gelten Hitze, CO²- Anstieg, Luftverschmutzung, Extremwetterereignisse sowie mangelnder Wohlstand. In den westlichen Ländern sind die Auswirkungen auf die Gesundheit des Klimawandels noch nicht so deutlich abgebildet wie im globalen Süden. Einer der Gründe sind die besseren finanziellen Möglichkeiten (Klimaanlage, gesündere Ernährung, besserer Hitzeschutz), aber auch die zunehmende Verlagerung umweltbelastender Produktionen in Drittländer.
Eine eindrückliche Forderung ist die Empfehlung unser Denken zu verändern und weg von „Ego-logischen“ Kriterien (Gewinnorientiertem Handeln) hin zu „Öko-logischen“ Kriterien für unser Tun und Handeln zu kommen.
Die Forschungen zeigen beeindruckend, wie der Klimawandel unsere Gesundheit beeinflusst. Die Co-Benefits einer die Ressourcen schonenden Klimapolitik und unser aller Gesundheit liegen auf der Hand. Der Schritt dieses vorhandene Wissen ins politische Handeln einfließen zu lassen, wäre einer in die richtige Richtung und würde auch aus ökologischer Sicht viel Sinn machen.
Der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderung (WBGU 2021) fasste es so zusammen:
- Unsere Lebensweise macht uns krank und zerstört den Planeten
- Gesunde Menschen kann es nur auf einem gesunden Planeten geben
- Wir müssen eine zivilisatorische Wende für planetare Gesundheit einleiten
Der Vortrag war sehr interessant und brachte die Thematik verständlich auf den Punkt.
Vielen Dank an Frau Dr. Wabnitz!


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