KIMM bezieht Stellung zum Entwurf für Memmingen
Die Stadt Memmingen hat im Oktober 2024 mit der Erstellung eines kommunalen Wärmeplans begonnen. Der Wärmeplan enthält die Informationen für zukünftige Entscheidungen. Sie dient den Bürger:innen, Gebäudebesitzenden und Unternehmen unserer Stadt als eine Orientierung für die individuellen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen am eigenen Gebäude.
Die kommunale Wärmeplanung ist aus Sicht von KIMM – Klimainitiative Memmingen e.V. ein zentraler Baustein für wirksamen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und soziale Gerechtigkeit auf lokaler Ebene.
Der von der Stadt frühzeitig angestoßene Prozess hat sich klar zu dem Ziel einer langfristigen CO2-neutralen Wärmeversorgung für die Memminger Bürger:innen, sowie für Industrie und Gewerbe bekannt. Diese Entwicklung begrüßen wir als KIMM ausdrücklich.
Stellungnahme
Memmingen, 16.12.2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Mitglieder des Stadtrats,
die KIMM – Klimainitiative Memmingen e.V. bedankt sich für die Möglichkeit, zum Entwurf der Kommunalen Wärmeplanung Stellung zu nehmen. Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Stadt Memmingen diesen wichtigen Prozess frühzeitig angestoßen hat und sich klar zu dem Ziel einer langfristig CO₂-neutralen Wärmeversorgung bekennt. Die kommunale Wärmeplanung ist
aus unserer Sicht ein zentraler Baustein für wirksamen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und soziale Gerechtigkeit auf lokaler Ebene.
- Früher Start und ambitionierte Zielsetzung
Wir bewerten es sehr positiv, dass die Stadt Memmingen die kommunale Wärmeplanung bereits jetzt in Angriff genommen hat. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit der zukünftigen Wärmeversorgung schafft Planungssicherheit für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie für die kommunalen Akteure und ermöglicht es, Investitionen strategisch und nachhaltig auszurichten. - Mehrheitlich kommunale Trägerschaft der Wärmegesellschaft
Wir begrüßen die zentrale Rolle einer geplanten Wärmegesellschaft bei der Umsetzung der Wärmewende in Memmingen. Aus Sicht der KIMM ist es von großer Bedeutung, dass die Stadt Memmingen bzw. die Stadtwerke Memmingen die Mehrheit an dieser Gesellschaft halten. Eine mehrheitlich kommunale Kontrolle gewährleistet, dass zentrale Entscheidungen an den Zielen des Gemeinwohls, der langfristigen Klimaneutralität, der Versorgungssicherheit sowie an sozial verträglichen Wärmepreisen ausgerichtet werden. Wir befürworten die Nutzung der Beteiligungen von Bürgerinnen und Bürger durch privates Kapital. - Frühzeitige Information und soziale Begleitung beim Rückbau des Gasnetzes
Die vorgesehene Stilllegung und der Rückbau des Gasnetzes ist ein wichtiger Schritt für die energetische Zukunft Memmingens, stellt viele Bürgerinnen und Bürger aber gleichzeitig vor große Herausforderungen. Wir halten es für zwingend erforderlich, die Betroffenen frühzeitig, transparent und zielgruppengerecht über Zeitpläne, Alternativen und Fördermöglichkeiten zu informieren. Zudem sollten sozial verträgliche Lösungen entwickelt werden, insbesondere für Haushalte mit geringem Einkommen. - Einsatz von Biogas in der Übergangsphase
Für die Kernstadt ist in einer Übergangsphase die Nutzung von Biogas vorgesehen. Trotz erneuerbarer Herstellung sind Biogas sowie seine Verbrennungsprodukte starke Treibhausgase. Gleichzeitig handelt es sich um einen besonders kostspieligen Energieträger. Eine übergangsweise Nutzung muss einer kritischen Kosten-Nutzen-Analyse im Vergleich mit erneuerbaren Alternativen unterzogen werden. Wird Biogas eingesetzt, sollte es aus Rest- und Abfallstoffen gewonnen und möglichst effizient in Blockheizkraftwerken genutzt werden. Die Gewinnung aus eigens dafür angebauter Biomasse sollte wegen sehr niedriger Wirkungsgrade vermieden werden. Die Nutzung von Biogas muss mit einem klaren Ausstiegsdatum – bestenfalls bis maximal 2035 – verbunden werden.
Mit freundlichen Grüßen
KIMM – Klimainitiative Memmingen e.V.
Vorstand
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Weiterführende Informationen
Die Stadt Memmingen verweist heute schon auf konkrete Beratungs- und Fördermöglichkeiten für Privatpersonen.
Wo stehen wir aktuell in Deutschland?
Die energiebedingten Emissionen machten im Jahr 2023 83,5 % der deutschen Treibhausgas-Emissionen aus. Hauptverursacher war mit 29,5 % der energiebedingten Treibhausgas-Emissionen die Energiewirtschaft, also vor allem die öffentliche Strom- und Wärmeerzeugung in Kraftwerken sowie Raffinerien.
Der Anteil des Sektors Verkehr lag 2023 bei 21,7 % (darunter allein der Straßenverkehr 21,1%), Industrie bei 15,7 %, private Haushalte bei 11,8 % und der Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungssektor bei 3,4 %.

(Quelle: UBA)
Auch im Jahr 2024 konnte im Gebäudesektor keine nennenswerte Reduktion der Emissionen beobachtet werden. Mit 105 Mio. t CO2-Äq. wurden im Vergleich zum Vorjahr lediglich 2 Mio. t weniger ausgestoßen. Das im Klimaschutzgesetz angegebene Emissionsziel von 96 Mio. t CO2-Äq. wurde deutlich verfehlt. Die geringfügigen Emissionsreduktionen gehen im Wesentlichen auf den abermals verringerten Heizenergiebedarf infolge warmer Witterung zurück. Strukturelle Verbesserungen gab es 2024 kaum.

(Quelle: Agora Energiewende)


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